20.10.2025

Böden

Der Boden ist der oberster Bereich der Erdkruste, der durch Verwitterung, Um- und Neubildung (natürlich oder anthropogen bedingt) entstanden ist und weiter veränderbar ist. Boden besteht aus festen anorganischen (Mineralen) und organischen Komponenten (Humus) sowie aus Hohlräumen, die mit Gasen oder mit Wasser und den darin gelösten Stoffen gefüllt sind. Aus: Grundlagen zur Bodenfunktionsbewerung, ÖNORM L1076, Ausgabe 15.03.2013.

 

In dieser ÖNORM wird im Vorwort ausgeführt: "Der Boden ist neben dem Wasser und der Luft eine unserer wesentlichen Lebensgrundlagen. Als in menschlichen Zeitdimensionen praktisch nicht erneuerbare oder vermehrbare Umweltressource ist er weltweit durch verschiedene Einwirkungen, wie Erosion durch Wind oder Wasser, Verdichtung, Humusverlust, Schadstoffeintrag, Nährstoffaustrag, Überdüngung, Versalzung u. a., aber auch durch Abtrag zum Zweck einer Bebauung
mit Wohn-, Industrie-, Verwaltungs-, Handels- oder Gewerbebauten bzw. Verkehrsinfrastruktur in seinem Bestand oder in der Erfüllung seiner Funktionen bedroht."

 

In Östereich sind die Österreichische Bodenkartierung und die Finanzbodenschätzung die maßgebenden Bodeninformationssysteme bei den landwirtschaftlichen Nutzflächen. Daneben bietet das Umweltbundesamt (UBA) im Bodeninformationssystem BORIS Bodendaten der Bundesländer und des Bundes für die allgemeine Öffentlichkeit und für ExperInnen an: 

  • flächendeckende Bodenzustandsinventuren der Bundesländer
  • flächendeckende österreichische Waldboden-Zustandsinventuren, Wiederholungsbeprobung der Level II Flächen im Rahmen von BioSoil
  • österreichweite Radio-Cäsium-Erhebung
  • Daten von über 30 weiteren lokalen Untersuchungen zu speziellen Fragestellungen wie beispielsweise Industriestandorte oder Ballungsräume.

 

Österreichische Bodenkartierung

Die Österreichische Bodenkartierung untersucht systematisch die bodenkundlichen Eigenschaften der landwirtschaftlich genutzten Flächen in Österreich. Während ursprünglich ein Aufnahmemaßstab von 1:2880 und eine Darstellung im Maßstab von 1:5000 gewählt wurden, verkleinerten sich die Maßstäbe von 1964 bis 1969 zu 1:5000 und 1:10000 und seit 1970 erfolgte die Erfassung im Maßstab 1:10000 und die analoge Ausgabe im Maßstab 1:25000 um den Fortgang der Kartierung zu beschleunigen. Im Jahr 2004, nach einigen Jahren umfangreicher Digitalisierungsarbeiten, ging die WebGIS-Applikation eBOD online. 


Die österreichische Bodenkartierung gliedert sich in 219 Kartierungsbereiche, die sich mit einigen Ausnahmen an die Gerichtsbezirke anlehnen. Das Alpbachtal liegt im Kartierungsbereich "Rattenberg" mit dem Identifier 198, wobei die Feldarbeiten in den Jahren 1986 und 1987 durchgeführt wurden.

 

Bodenform, Bodenformenkomplex, Bodenform-Komponenten und Profilstelle

Die elementare Kartierungseinheit der Österreichischen Bodenkartierung stellt die Bodenform dar, bei der allgemeine Standortmerkmale (Wasserverhältnisse, Geländeneigung, u. a.), horizontspezifische Eigenschaften, Horizontabfolge und Bodentyp weitgehend übereinstimmen.

Der Bodenformenkomplex umfasst verschiedene Bodenformen, welche sich kleinräumig abwechseln, so dass die einzelnen Bodenformen wegen ihrer geringen Ausdehnung nicht getrennt dargestellt werden können. Die Flächen unterscheiden sich auch im Bodentyp.

Bei den Bodenform-Komponenten variieren die Bodeneigenschaften ebenfalls stark auf engstem Raum (z. B. Wasserhaushalt), so dass eine eigene Bodenform ausgeschieden werden muss. Der Bodentyp der Flächen ist im Unterschied zum Bodenformenkomplex hier aber ident. 

Jede Kartierungseinheit hat zumindestens ein zugehöriges, repräsentatives Bodenprofil, das den Bodenhorizont bis in 1m Tiefe umfassend beschreibt. Für jeden Horizont sind Analysedaten der wichtigsten Bodeneigenschaften Textur, Humusgehalt, Kalkgehalt und pH-Wert vorhanden.

Bodentypen in den Gemeinden Reith im Alpbachtal und Alpbach auf der Grundlage der Österreichischen Bodenkartierung.

Bodentypen in den Gemeinden Reith im Alpbachtal und Alpbach auf der Grundlage der Österreichischen Bodenkartierung.

Bei der Österreichischen Bodenkartierung wurden in Reith im Alpbachtal 189 Bodenformen-Polygone mit einer Fläche vom 784,4778 ha und in Alpbach 147 Bodenformen-Polygone mit 678,3066 ha erfasst. In den beiden Gemeinden werden 30 gruppierte Bodenformen (Identifier: Kartierungsbereich-Nr. x 1000 + fortlaufende Bodenform-Nr. mit eins beginnend) mit den spezifischen Bodeneigenschaften ausgewiesen. Jeweils vier Profilstellen wurden in beiden Gemeinden gegraben.

 
Bodentypen Reith im Alpbachtal
  • Lockersediment Braunerde: 379,9965 ha
  • Felsbraunerde: 245,8795 ha
  • Hanggley: 98,1261 ha
  • Grauer Auboden: 41,7992 ha
  • Haldenboden: 11,5676 ha
  • Pararendsina: 3,7759 ha
  • Textur-Ortsboden: 2,3428 ha
  • Farb-Ortsboden: 0,9785 ha
  • Ranker: 0,0092 ha
  • Brauner Auboden: 0,0025 ha

 

Bodentypen Alpbach
  • Felsbraunerde: 325,1891 ha

  • Lockersediment Braunerde: 230,0734 ha

  • Hanggley: 108,3932 ha

  • Schwemmboden: 14,6509 ha

 

Fasst man die Bodentypen in Bodentypengruppen zusammen, so stellen die Braunerden in Reith im Alpbachtal mit 625,8760 ha und in Alpbach mit 555,2625 ha die weitaus größte Bodentypengruppe dar. In Reith im Alpbachtal sind 80% aller Böden Braunerden, in Alpbach haben die Braunerden einen Anteil von 82%.

 

 

Österreichische Finanzbodenschätzung

Die Erstschätzung in der Katastralgemeinde (KG) Alpbach fand 1967 und die Überprüfungsschätzung 1999 statt. In der KG Reith wurde die Erstschätzung 1965 und die Überprüfungsschätzung 1996 durchgeführt, in der KG Hygna 1966 und 1998 und in der KG Scheffach die Erstschätzung 1966 und zwei Überprüfungsschätzungen in den Jahren 1985 und 2006.

 

Bei der Finanzbodenschätzung stehen in der Hierarchie an oberster Stelle die Klassenflächen (repräsentieren die gesamte Erhebungsfläche), darunter die Abschnitts- und Sonderflächen. Eine Klassenfläche hat zumindestens eine Abschnittsfläche, kann sich aber auch in mehrere Abschnittsflächen unterteilen, eine Abschnittsfläche kann keine, eine oder mehrere Sonderflächen aufweisen.

In den Katastralgemeinden Reith, Hygna, Scheffach und Alpbach sind Klassenflächen und Abschnittsflächen ident, so dass man sie als Klassenabschnittsflächen zusammenfassen kann. In den Katastralgemeinden der Gemeinde Reith im Alpbachtal wurden 1.009 Klassenabschnittsflächen-Polygone und 673 Sonderflächen-Polygone mit einer Fläche von 922,9903 ha geschätzt. In der KG Alpbach erfolgte eine Schätzung von 1.010 Klassenabschnittsflächen-Polygone und 529 Sonderflächen-Polygone mit einer Fläche von 893,4153 ha.

Zu den Klassenflächen gehören u. a. die Attribute Bodentyp, Kulturart, Bodenart, Entstehung, Zustand, Klima u. Wasser, zu den Abschnittsflächen u. a. die Wertzahl des Grabungsloches, Wertzahl 1 (= Bodenzahl bei der Ackerschätzung und Grünlandgrundzahl bei der Grünlandschätzung), Wertzahl 2, Hinweise und Neigung und zu den Sonderflächen u. a. die Wertzahl 2, Hinweise und Neigung. Die Abschnittsflächen erben die Attribute der Klassenflächen und die Sonderflächen erben die Attribute der Klassen- und Abschnittsflächen.

 

Wertzahl 2, Ackerzahl, Grünlandzahl, Ertragsmesszahl, Bodenklimazahl

Die Wertzahl 2 wird in der Ackerschätzung auch als Ackerzahl und in der Grünlandschätzung als Grünlandzahl bezeichnet.

Ackerzahl und Grünlandzahl sind Ausdruck für die natürliche Ertragsfähigkeit des Bodens und maßgebend für die Berechnung der Ertragsmesszahl.
Die Ertragsmesszahl (EMZ) ist das Produkt aus der Fläche in Ar mit der Acker- oder Grünlandzahl.

 

Ein Grundstück kann keine, eine oder mehrere Nutzungen mit Ertragsmesszahlen haben. Eine Nutzung mit Ertragsmesszahl hat zumindestens ein Nutzungspolygon, kann aber auch mehrere Nutzungspolygone aufweisen. Ertragsmesszahlen hängen in der Regel an nachstehenden Nutzungen im Grundstücksverzeichnis:

  • Äcker, Wiesen oder Weiden (201)

  • Dauerkulturanlagen oder Erwerbsgärten (202)

  • Verbuschte Flächen (203)

  • Weingärten (401)

  • Feuchtgebiete, teilweise (704)

Die Benützungsarten und Nutzungen sind in der Benützungsarten-Nutzungen-Verordnung (kurz: BANU-V) angeführt. Die Zahl in der Klammer ist der BANU-Identifier.

 

Die Bodenklimazahl ist eine Verhältniszahl zwischen 1 und 100. Sie drückt die natürliche Ertragsfähigkeit der landwirtschaftlich genutzten Bodenflächen eines Grundstücks im Verhältnis zum ertragsfähigsten Boden Österreichs mit der Wertzahl 100 aus und ergibt sich aus der Ertragsmesszahl geteilt durch die Fläche in Ar.

 

Die Klassen-, Abschnitts- und Sonderflächen-Polygone der Finanzbodenschätzung sind zumeist nicht kongruent mit den Nutzungspolygonen im Kataster. Werden Nutzungspolygone im Kataster von mehreren Bewertungspolygonen überdeckt, so werden die Ertragsmesszahlen im Grundstücksverzeichnis nach der Fläche gewichtet (Verschneidung der Nutzungspolygone mit den Finanzbodenschätzungs-Polygonen). Damit geht die Information der Relation zwischen Schätzfläche und Acker- bzw. Grünlandzahl verloren.

 

Daher sind die originalen Bewertungspolygone der Finanzbodenschätzung mit den zugehörigen Acker- bzw. Grünlandzahlen für die Ermittlung der natürlichen Ertragsfähigkeit des Bodenstandortes qualitativ am besten!  

 

In den Katastralgemeinden der Gemeinden Reith im Alpbachtal und Alpbach kam nur die Grünlandschätzung zur Anwendung.

 

Klassifikation der Grünlandzahlen (Wertzahl 2) in den Gemeinden Reith im Alpbachtal und Alpbach. Die Grünlandzahl gibt Auskunft über die natürliche Ertragsfähigkeit des Standortes.

Klassifikation der Grünlandzahlen (Wertzahl 2) in den Gemeinden Reith im Alpbachtal und Alpbach. Die Grünlandzahl gibt Auskunft über die natürliche Ertragsfähigkeit des Standortes. Die besten Böden befinden sich im Bereich der Reither Terrasse, Percha, Weng und St. Gertraudi.

Klassifikation der Mittelwerte der Acker- bzw. Grünlandzahlen der Gemeinden Tirols.

Klassifikation der Mittelwerte der Acker- bzw. Grünlandzahlen der Gemeinden Tirols. Die höchsten Mittelwerte der Wertzahl 2 (größer 45) weisen die Gemeinden Hall in Tirol, Kolsass, Thaur, Rum, Kematen in Tirol, Mils, Baumkirchen, Unterperfuss, Amlach, Absam, Mils bei Imst und Strass im Zillertal auf. In Hall in Tirol ist mit einer Wertzahl von 89 der beste Boden Tirols zu finden, an zweiter Stelle ein Boden in Thaur mit der Wertzahl 85.

Die Böden der Gemeinde Reith im Alpbachtal weisen eine mittlere Grünlandzahl von 21,9 auf, die Spannweite (range) geht von 2 bis 57. In der Gemeinde Alpbach beträgt der Mittelwert der Grünlandzahlen 16,3, der niedrigste Wert 3 und der beste Boden hat eine Grünlandzahl von 38.